Perspektiven für Einkäufer in Thailand
02.07.2009 // Fachartikel-
- Die PTT Public Company Limited (Petroleum Authorities of Thailand) nahm 2005 eine Gastrennanlage für Erdgas in Betrieb, in der Kohlendioxid (CO2) nach dem sogenannten aktivierten Methyldiethanolamin-Verfahren (aMDEA-Verfahren) der BASF entfernt wird. Dies war die erste derartige Anwendung des BASF-Verfahrens in Thailand. Die Anlage in der etwa zwei Autostunden von Bangkok entfernten Stadt Map Ta Phud hat eine Kapazität von etwa 590 000 Normkubikmetern pro Stunde (Nm3/h). Der aMDEA-Prozess hat einen geringeren Energiebedarf als andere Verfahren. Das Foto zeigt Cherdchai Boonchoochuy (links) Projektingenieur der PTT, and Mark Claessen, zuständig für die Technologie zur Gasbehandlung im Geschäft mit Zwischenprodukten der BASF in Asien
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Die nach der Krise neu installierte Regierung hat ein Konjunkturprogramm mit 116 Milliarden Baht (2,6 Mrd. Euro) aufgelegt, um die Auswirkungen der Rezession teilweise aufzufangen. Diese Maßnahmen wurden durch die neuerlichen politischen Unruhen im April 2009 nicht negativ beeinflusst; nachdem das Land schnell wieder zur Normalität zurückkehrte zeigten die Unruhen keine Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Nachdem Thailand die intensive politische Krise im Dezember 2008 überstanden hat, erreichte die Rezession der Weltwirtschaft das Land im ersten Quartal 2009. Die drei Schlüsselindustrien der thailändischen Wirtschaft Automobil, Elektronik und der Tourismus rechnen mit Umsatzeinbrüchen bis zu 20 Prozent.
Das von der thailändischen Regierung initiierte Konjunkturprogamm mit 2,6 Milliarden Euro soll die Auswirkungen der Rezession auffangen helfen. Sicher wird die generelle wirtschaftliche Krise zu einer Konsolidierung der Unternehmenslandschaft im Industriebereich führen. Die starken, guten Unternehmen werden überleben und es werden neue Firmen entstehen, die ihre Produktion an den Anforderungen des Weltmarktes ausrichten und damit für deutsche Einkäufer und Investoren von großem Interesse sind.
Seit Beginn der 90er Jahre ist Thailands Industrieproduktion in bestimmten industriellen Segmenten auf Weltniveau und hat sich stetig weiterentwickelt. Eine zielgerichtete Industriepolitik hat diese Entwicklung ermöglicht und setzt mit einem ehrgeizigen Programm darauf, die vielversprechenden Potenziale weiter gezielt auszuschöpfen. Dabei wird sowohl auf die Optimierung vorhandener Industrien (Textil, Elektronik, Gummi, Automotive, Lebensmittel) Wert gelegt wie auch auf die Entwicklung von Zukunftsindustrien, mit speziellem Fokus auf Umwelttechnologien.
Generell kann Thailand beeindruckende Wirtschaftsdaten aus den letzten Jahren vorlegen. Es liegt unter den ersten 20 Ländern in Bezug auf Importe und verarbeitende Industrie (The Economist's Pocket World in Figures, 2008). Bei Exporten liegt Thailand an 25. Stelle in 2007 (WTO Annual Report 2008). Nach dem UNCTAD World Investment Prospects Survey, (2007-2009) lag Thailand auf Platz 11 der Liste der attraktivsten Länder für Direktinvestitionen, gleich nach Deutschland und Polen. Und schließlich lag das bilaterale Außenhandelsvolumen von Deutschland und Thailand im Jahr 2007 bei 5,6 Mrd. USD (bfai). Damit bleibt Deutschland der wichtigste Handelspartner Thailands in der EU.
Einige Beispiele sollen die Breite der in Thailand ansässigen produzierenden Unternehmen auf Weltniveau verdeutlichen: Es wurden in 2008 in 16 Montagewerken 1,4 Mio. Fahrzeuge produziert, die zu ca. 50 Prozent in den Export gingen (Thailand Investment Review, August 2008). Bemerkenswert in dieser Branche ist die Vielzahl von Öko-Auto-Projekten, die vor allem asiatische Hersteller in Thailand durchführen. Eine gut entwickelte Zulieferindustrie stellt einen Großteil der Fertigungsteile im Land her, so z. B. 80 bis 90 Prozent der Komponenten für die Pick-up-Fertigung. Weiterhin haben die Gummi- und Kautschukprodukte aus Thailand Weltruf und werden für hochwertige medizinische und industrielle Produkte eingesetzt. Im Elektronikbereich unterstreicht die Fertigungsrate von 40 Prozent aller weltweit gefertigten Festplattenlaufwerke die bedeutende Rolle Thailands ebenso wie die Führungsposition in der Produktion von IC-Bausteinen und Heimelektronik.
Beeindruckende industrielle Stärken
Für Biotechnologie, Life Science und Umwelttechnologien hat das Land umfangreiche Programme aufgesetzt, die sowohl im F&E-Bereich als auch in der Produktion eine Vielzahl von Investitionen ausgelöst haben. Die zuständige Regierungsbehörde, Thailands Board of Investment (BOI), unterstützt diese Vorhaben gezielt und pragmatisch. Schnell entwickeln sich so Cluster-Landschaften aus Unternehmen, die interessante Möglichkeiten sowohl für Investoren als auch für Einkäufer bieten.
Für Aktivität in Thailand sind zwei positive Tatsachen im Hinterkopf zu behalten. Zum einen existiert eine sehr gute Infrastruktur, sowohl zum Import und Export an Flughäfen und Häfen, als auch im Landesinneren in den industriell erschlossenen Gebieten. Und zum anderen rangiert Bangkok erst auf Platz 105 der teuersten Städte der Welt in 2008 (Cost of Living Survey 2008), was zeigt, dass Kosten für Niederlassungen oder Sourcing Offices deutlich niedriger liegen als in anderen asiatischen Ländern.
In der Automotivindustrie möchte Thailand bis 2010 mit einer Produktion von 1,8 Millionen Einheiten in die Top 10 der Autohersteller aufrücken und damit auch größter Hersteller in Südostasien werden. Dieses Ziel wird durch ein umfangreiches Incentiv-Programm für Investitionen in Montage und Kfz-Komponenten sowie die Teilefertigung unterstützt. Besonders bei Motoren für Pkw, Benzineinspritzpumpen, Getrieben, Differenzialen, ABS und elektronischen Systemen werden diese Programme greifen.
In der Elektro- und Elektronikindustrie ist Thailand der weltgrößte Hersteller von HDDs und einer der führenden Hersteller von Integrated Circuits. So lag das durchschnittliche Wachstum im Bereich HDDS von 2004 bis 2007 bei 40,04 Prozent und bei Integrated Circuits bei 13,6 Prozent. Die Hauptexportmärkte für Elektro- und Elektronikprodukte waren 2007 die EU mit 18, die USA mit 13, Japan mit 17 und Asean mit 17 Prozent und damit alles Abnehmer mit hohen Qualitätsanforderungen. Hier kann Einkäufern für entsprechende Bauteile nur empfohlen werden, sich den Markt durch gezielte Recherchen und Vor-Ort-Besuche zu erschließen.
Agrar- und Textilindustrie bieten gute Chancen
Auch der Agrarbereich bietet gute Chancen für Sourcing und Investitionen vor Ort. 2007 gingen annähernd je 15 Prozent der Agrarexporte nach Europa, USA, Japan und ASEAN. Thailand ist nicht nur der Welt größter Hersteller von Naturgummi und zweitgrößter Zuckerexporteur, sondern auch einer der führenden Exporteure von Reis, Seafood, Thunfischkonserven, Zucker und Cassava/Maniok bzw. Tapioka. Demzufolge ergeben sich gute Ansatzpunkte im Bereich Gummiprodukte, Futterzusätze für Tierfutter, aber auch im Bereich Bio-Sprit (Tapioca) und Chemikalien wie Milchsäure und Alkoholprodukte (Zucker).
Die Textilindustrie ist seit langen über alle Wertschöpfungsstufen hinweg (Chemiefaserindustrie, Spinnen, Weben, Fabrikation, Weiterverarbeitung) ein wichtiger Wirtschaftszweig, und Thailand ist daher international einer der führenden Exporteure von Textilwaren. Die thailändische Textilindustrie bietet, gestützt auf langjährig erfahrene Arbeitskräfte, gute Qualität und ist daher auch für Markenartikler sehr gut geeignet. Infolge des von der Regierung stark geförderten „Bangkok Fashion City-Projects" hat sich inzwischen auch eine gute Basis an qualifizierten lokalen Designern entwickelt. Man kann heute also nicht nur Kleidung (Hardware) sondern auch Software (Design) sourcen.
Dekoratives, Geschenke, Zubehör und Werbeartikel
Im Bereich Geschenkartikel, dekorative Artikel, Werbeartikel und Accessoires gibt es fast nichts, was man nicht in Thailand sourcen könnte. Ein Grund sind natürlich die niedrigen Lohnkosten, aber auch die höhere Flexibilität bei kleinen Bestellmengen im Vergleich zum Beispiel zu China. Die Palette der Erzeugnisse geht von dekorativen Geschenk- und Werbeartikel über modische Accessoires und Schmuck bis zu Schuhen, Koffern, Taschen, Rucksäcken sowie Spielzeug und Keramikartikeln. Die hier verfügbaren Fähigkeiten, wie Verarbeitung von Keramik, Metall, Plastik und Leder sowie in Feinwerktechniken im Bereich Schmuck, können sicher auch für andere Produktionsprozesse genutzt werden.
Biotechnologie als Chance
Der Bereich Biotechnologie wird von der thailändischen Regierung als Chance für die thailändische Wirtschaft gesehen und wurde daher besonders im Forschungs- und Entwicklungsbereich gefördert, um eine infrastrukturelle Basis für Forschungslabore zu schaffen und damit Auslandsinvestitionen anzuziehen. Die thailändischen Forschungsschwerpunkte liegen vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Nahrungsmittel und tropische Krankheiten. Um den Biotechnologiesektor zu entwickeln, wurde das National Center for Biotechnology (BIOTEC) geschaffen. Auf rund 325 000 Quadratmetern beherbergt der BIOTEC Science Park, ca. 20 Kilometer außerhalb von Bangkok gelegen, nicht nur Laboreinheiten, Inkubatoren, Pilotanlagen und Gewächshäuser, sondern auch administrativen und rechtlichen Support, der auch Auftragsforschungskunden zur Verfügung steht. Ferner gibt es spezielle Programme zur Förderung von Forschungen, insbesondere bei Startups. Steigende Patentanmeldungen unterstreichen die Etablierung Thailands im Bereich Biotechnologieforschung.
Gerade jetzt, zu Zeiten des Umbruchs, Neuaufbaus und der Investitionsprogramme sollte Thailand in die Liste der interessanten Länder für Einkäufer und Investoren aufgenommen werden. Die nächsten Monate sind gut geeignet, den Markt zu sondieren, Angebote einzuholen und Lieferanten kennenzulernen.
Ralph Hantschel Wolfgang Hagn
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- Dr. Ralph Hantschel, Geschäftsführer der Global Value Chain Consultants (GVC), München
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- Wolfgang Hagn, Partner von GPS-Network Global Professional Services mit Standorten in Shanghai und München sowie in Bangkok, Kuala Lumpur und Mumbai


