Ganz genau hinsehen
Ganz genau hinsehen – das ist wichtig, der Volksmund sagt „bei Lichte betrachten“.
Vor allem in der Politik reichen 1000 Sonnen kaum aus. Wir erinnern uns an den historischen Kompromiss zur Umsatzsteuer der Großen Koalition. Die eine Partei (dass mir nicht einfällt welche, ist normal) wollte den Mehrwertsteuersatz um ein Prozent senken. Die andere Partei wollte den Satz um zwei Prozent erhöhen und wurde dafür als Abzockerpartei gescholten. Der Kompromiss lag dann bei einer Erhöhung um drei Prozent.
Neue Regierung, gleiche Steuer: Die FDP spricht sich für die Abschaffung aller reduzierten Mehrwertsteuersätze aus und demnach für einen einheitlichen Satz von 19 Prozent (Die Zeit 4/10).
Die erste Maßnahme zur schrittweisen Erhöhung aller reduzierten Sätze liegt darin, den bisher normalen Satz (19 %) für das Beherbergungsgewerbe auf den reduzierten Satz (7 %) zu senken. Und wie wir inzwischen wissen, ist das Beherbergungsgewerbe nicht undankbar.
Das hat seinen Grund. Die meisten Hoteliers denken nicht im Traum daran, den neuen Preis an die Kunden weiter zu geben. Hatte ein Hotelzimmer bisher 100 Euro brutto gekostet, so waren das netto 84,03 Euro.
Die Steuer in Höhe von 15,97 Euro musste das Hotel an das Finanzamt abführen. Nun ist es ein prima Geschäft für die Hoteliers (daher die großzügige Spende an die FDP), den Preis bei 100 Euro zu belassen und nur noch 6,54 Euro an den Fiskus zu überweisen.
Das mag beim Privatkunden gelingen, schlimm genug.
Einkäufer und andere, die mit Travel Management zu tun haben, sollten wie gewohnt ganz genau hinsehen. Auf der Preisliste hat zu stehen (wenn nichts anderes verhandelt wird): 84,03 Euro netto, bzw. 89,91 Euro.
Ihr Daniel Zabota
Chefredakteur Beschaffung aktuell