Toyota-Virus
Oh, ein Virus! Da kann man nix machen.
Nach Krankheit soll auch der Begriff „Toyota-Virus“ klingen. Wie „Grippe-Virus“ oder „Aids-Virus“. Nach etwas, das einen heimtückisch niederstreckt. Und das auch den stärksten Mann umwerfen kann. Und das stärkste Unternehmen. Wer immer sich den Begriff ausgedacht hat – er hatte vor allem Unternehmen im Sinn. Hintergrund: Das kann jedem passieren, da steckt man nicht drin.
In Wahrheit ist es ganz anders: Der Begriff „Toyota-Virus“ ist nichts anderes als eine durch Sprache vorbereitete vorauseilende Exkulpation von Management-Versagen. Denn hinter der Toyota-Geschichte steckt Management-Versagen. Vermutlich sogar Einkaufs-Versagen.
Möglichkeiten gibt es viele: Das kann schon mit der falschen Strategie beginnen, nur auf einen Lieferanten zu setzen, es kann am mangelhaften Lieferanten- oder Qualitätsmanagement liegen, vielleicht liegt auch die Kommunikationskultur im Einkauf bzw. im Unternehmen im Argen, sprich, keiner traut sich etwas zu sagen.
Natürlich, man kann auch mal Pech haben. Oder Glück, wenn nie etwas passiert.
Das gilt auch für die so genannte Wirtschaftskrise. Fast alle Unternehmen begründen in der aktuellen Bilanzsaison ihre Umsatzverluste mit der „Krise“. Glück und Pech konnten die Geschäfte sicher auch beeinflussen, oft kam die Krise aber gerade zur rechten Zeit, um falsche Entscheidungen des Managements zu bemänteln. Umgekehrt haben einige kluge Geschäftsführer und Vorstände ihr Unternehmen gut durch die „Krise“ gebracht.
Doch in der Regel ist man seines Glückes Schmid. Ein rechtschaffener Schmid macht nicht alles andere für sein Unglück verantwortlich. Muss man sich wundern, dass diese Rechtschaffenheit ausgerechnet jenen Bankern abgeht, die durch Gier, Spekulation und Verantwortungslosigkeit die Krise verursacht haben? Anstelle des eigenen Versagens sprachen die Manager der großen Investmentbanken vom „perfekten Sturm“.
Sturm?
Ach, das Wetter! Da kann man nix machen.
Ihr
Daniel Zabota
Chefradakteur Beschaffung aktuell