Login

E-Mobility

Die Entwicklung des Menschen ist ein Kontinuum. Das gilt insbesondere für seine Fortbewegung. Jahrhunderttausende gingen wir zu Fuß. Maßstab aller Dinge waren ein oder zwei Pferde.
Das änderte sich ganz langsam mit der Eisenbahn, es änderte sich ein wenig mehr mit dem Automobil. Es änderte sich für relativ viele Menschen in relativ wenigen reichen Ländern mit der Möglichkeit, sich ein Auto zu kaufen. Doch hat, gemessen an dem, was der Mensch zur Fortbewegung braucht, das Automobil irrwitzige Leistungsdaten erreicht.
Nehmen wir meinetwegen den SLS AMG, ein Produkt aus der Traumfabrik von Mercedes-Benz, das sogar über Flügeltüren verfügt.
Nehmen wir das als Benchmark.
Nun gibt es Menschen, die halten das Elektrofahrzeug für die Zukunft der Mobilität, andere sagen das Elektrofahrzeug werde nie eine Chance haben.
Meine These: Elektromobilität wird nie eine Chance haben. Jedenfalls so lange nicht, wie Autos vom Typ Mercedes-Benz SLS AMG an der Spitze der Auto-Pyramide stehen und als
Benchmark gelten.
Die Elektromobilität wird auch nie eine Chance haben, solange so genannten Eliten in Politik und Wirtschaft nur über Elektromobilität sprechen, aber ihrer Lebtag keine Elektroautos fahren, stattdessen aber bei ihrer S-Klasse, dem Phaeton, dem 7er oder dem A8 bleiben, die ebenfalls im oberen Teil der Auto-Pyramide fahren. Noch nie hat man auf einer Hannover Messe, die sich in diesem Jahr besonders dem Thema E-Mobility verschrieben hat, so viele schwarze S-Klasse-Limousinen gesehen. Dass sie nicht bis ins Foyer des Kongresszentrums gefahren sind, kann nur an den engen Türen gelegen haben.
Inzwischen wird auch langsam deutlich, warum die so genannten Eliten in Wirtschaft und Politik das Elektro-Auto jetzt so vehement forcieren, nachdem sie jahrelang schliefen und stattdessen Milliarden zur Förderung koreanischer Verbrennungsmotoren (Stichwort: Abwrackprämie) ausgegeben haben: Nur mit einem vordergründigen „Zero-Emission-Vehicle“, wie der Kalifornier sagt, lässt sich der Schnitt der CO2-Emissionen reduzieren, denn S-Klasse, Phaeton, 7er und A8 stoßen, trotz großer Fortschritte immer noch zu viele Schadstoffe aus.
Man nehme also unser Benchmark Mercedes SLS AMG, welches 308 g CO2 pro Kilometer hinterlässt, und kombiniere es mit einem Smart vom gleichen Hersteller mit Elektromotor, der, mit Ökostrom geladen, theoretisch null CO2 ausstößt, dann kommen da im Durchschnitt durchaus verträgliche 154 g heraus, nach Absatzzahlen gewichtet sogar viel weniger.
Es schreibe mir sofort einen Leserbrief wer glaubt, dass die so genannten Eliten in Wirtschaft und Politik, Vorstände, Geschäftsführer, Minister, Regierungsdirektoren, Journalisten, oder gar ein Spitzensportler, ernsthaft eines dieser demnächst angebotenen Elektroautos fahren werden. Erst mal sind Krankenschwestern, Nachtwächter, Fabrikarbeiter und Friseurinnen dazu aufgerufen, sich für Unsummen ein E-Mobil zu kaufen, damit die CO2-Bilanz der so genannten Eliten nicht gar so schlecht ausfällt.
Das klingt klassenkämpferisch, ist es aber nicht: Denn vor mehr als hundert Jahren, als das Automobil mit Verbrennungsmotor seine Karriere begann, haben sich die Eliten sehr wohl für Unsummen ein solches Auto geleistet!
An dieser Stelle wird auch deutlich, dass der Verbrennungsmotor hundert Jahre Entwicklungsvorsprung hat. Was heute als Elektromobil angeboten wird, ist autotechnologisch gesehen Steinzeit. Aber teuer und bei normalem deutschem Strommix überhaupt nicht umweltverträglich.
Und wer fordert, die deutsche Industrie müsse das perfekte Elektroauto anbieten, wie ein gewisser Herr Ramsauer, hat gar nichts verstanden.
So lange man die ganz junge, natürlich nicht perfekte E-Mobil-Technologie mit ausgereiften Benzinmotoren vergleicht, steht das Elektroauto schlecht da.
Wenn man jedoch bedenkt, dass der Mensch Jahrhundertausende zu Fuß ging, ist das E-Mobil der Renner, der über die Jahre immer besser werden wird.
Auch die Entwicklung der Elektromobilität ist ein Kontinuum.
Und wir stehen am Anfang.
 

Daniel Zabota

Daniel Zabota,
Chefredakteur Beschaffung aktuell



Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe