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Mammon

Ausgerecht die Kirchen! Die Top-Nachricht auf Seite 6 der neuen Beschaffung aktuell (Juni-Ausgabe) hat mich nachdenklich gestimmt: Die Evangelische Studiengemeinschaft hat mit einer Befragung festgestellt, dass sich das Beschaffungswesen der Kirchen hauptsächlich am Preis orientiert. Man schaut aufs Geld, den Mammon, und da frage ich mich, ob man nicht wenigstens in den Kirchen etwas mehr Gott und weniger Mammon dienen könnte.
Die Studie bezieht sich auf evangelische Einrichtungen, vielleicht sieht es ja wenigstens bei den Katholiken besser aus.

Sicher ist, dass es in so manchem Industriebetrieb besser aussieht. Der Preis ist für Industrieeinkäufer nur eines von vielen Kriterien. Produktqualität, Innovation und Liefertreue, um nur drei Beispiele zu nennen, spielen bei der Lieferantenauswahl ebenfalls eine wichtige Rolle. Nun sind Unternehmen nicht im Grundsatz besser als die Kirchen. Viele Industriebetriebe orientieren sich an ökologischen und sozialen Kriterien weil sie damit ganz profan Energie oder Kraftstoff einsparen können. Und: Wenn Unternehmen mit Umweltverschmutzung oder Einsatz von Kinderarbeit ihren Ruf verspielen, wirkt sich das oft auch auf den Absatz aus. Zudem können Unternehmen aus rechtlichen Gründen (Produkthaftung) in Teufels Küche kommen, wenn sie gewisse Standards nicht einhalten.

Ob Kirchen in Teufels Küche kommen können, weiß ich nicht. Hienieden, also auf Erden, darf man von den Kirchen allerdings schon etwas mehr erwarten.
Ich erwarte ein klares Bekenntnis zu ökologischen und sozialen Kriterien im Einkauf. Angesichts des riesigen Beschaffungsvolumens allein der evangelischen Einrichtungen (60 Mrd. Euro) könnten die Einkäufer der Kirchen hier wirklich etwas bewegen.
Darüber hinaus geht es darum, ein Beispiel zu geben. Steht nicht geschrieben „Ihr seid das Salz der Erde?“. Ich frage mich auch, womit man salzen soll, wenn das Salz schal wird.

Daniel Zabota
Chefredakteur
Beschaffung aktuell



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