Normalo
Ein Normalo ist, umgangssprachlich, ein ganz normaler, durchschnittlicher Mensch, engl., Mr. Average. Die Endsilbe „lo" deutet aber daraufhin, dass es sich um einen Menschen aus Italien oder Portugal handeln muss, so wie auch der Gigolo, jedenfalls um einen aus Südeuropa, schlimmstenfalls um jemanden aus Griechenland.
Die Frage, was eigentlich „normal" ist, würde jeder anders beantworten, meist gilt das als „normal" was man persönlich für „ richtig" hält.
Eine ganz bestimmte Definition des Normalitätsbegriffs scheint sich auf wirtschaftlicher Ebene auszubreiten: „Normal" sein heißt, so zu sein wie wir – stark industrialisiert, hochproduktiv, erfolgreich im Export. Gilt auch für Chinesen, Polen oder Koreaner.
Das große deutsche Nachrichtenmagazin riet kürzlich den Portugiesen, mehr wettbewerbsfähige Industrien zu schaffen, es beklagte in der Ausgabe davor, dass die Süditaliener in ihren Autofabriken nur 30 Stück pro Nase schaffen, die Polen hingegen 100 und überhaupt Griechenland – weit und breit nichts Gescheites zum Exportieren.
Sicher, unser Wohlstand beruht zu großen Teilen auf unserer Exportstärke. Aber es können nicht alle gigantische Exportüberschüsse erzielen. Das funktioniert nicht, Sie verstehen?
Unser wirtschaftliches Tun, unser Arbeitsethos, unsere Produktivität, unser Fleiß ist nicht „normal", es ist die Ausnahme und eine glückliche Fügung, für die wir manchmal wirklich nichts können. Unsere Exportstärke ist nicht „normal", sie ist die Ausnahme und schon gar nicht tauglich als Rezept für die anderen.
Erfolg im Export bedeutet, dass am Ende irgendwer den ganzen Krempel kaufen muss. Das heißt, Sie müssen Ihre Global-Sourcing-Aktivitäten noch deutlich verstärken. Und zwar bevorzugt in Italien, Portugal und Griechenland.
