Schiffe versenken
Deutschland ist Spitze! Zumindest was die aktuell im Bau befindlichen Frachter angeht. Doch angesichts des harten Kampfes um internationale Marktanteile sowie sinkender Preise für Schiffsfracht ist dies ein gefährliches Spiel.
Deutschland stellt die drittgrößte Handelsflotte der Welt, zumindest nach Besitzern gerechnet. Doch vorbei ist die Zeit, in der Zahnärzte und Apotheker zu Reedern wurden. Aber wie wollen die deutschen Schiffseigner die nun in See stechende Flotte finanzieren?
So sieht „Schiffe versenken" also in der Realität aus: spezialisierte Fondshäuser lotsen Privatanleger massenhaft in Schiffsbeteiligungen, willige Geldhäuser, vor allem Landesbanken, unterstützen nahezu jedes Projekt. Und der Staat stellt die Gewinne fast steuerfrei. So lief es im Hype der deutschen Schifffahrt hier zu Lande.
Nun bekommt die Branche die volle Breitseite des „ Kaufrausch-Ausläufers" zu spüren. Zumal der Markt derzeit umkämpft ist wie selten zuvor, die Spritpreise auf voller Fahrt voraus sind und die Frachtraten in Richtung Meeresgrund rauschen. Die Personalkosten bei Frachtern unter deutscher Flagge sind relativ hoch. Und zu allem Überfluss melden die Frachthäfen der Welt sinkende Containerumschlagszahlen. Banken und Fondsanlegern drohen Milliardenverluste!
7300 neue Schiffe mit einem Wert von 300 Milliarden US-Dollar stehen in den Orderbüchern. Diese sollen bis Ende nächsten Jahres ausgeliefert werden. Das kann auch ein noch so gut laufender Markt nicht verkraften.
Jahrhundertkrise überstanden, nächste Krise in Sicht! So gerät die deutsche Frachtschifffahrt gleich wieder in schwere See. An der Spitze stürmt es am stärksten. cm
