Prost !
Es ist ein ordentlicher Schluck: 8,5 Mio. Hektoliter verleibt sich der britische Braukonzern SAB Miller ein, indem er den australischen Brauer Foster's Group übernimmt. Mit 180,8 Mio. Hektolitern festigt SAB Miller damit seinen zweiten Platz der Bierliga (nach AB InBev mit 358,7 Mio. und vor Heineken mit 145,9 Mio. hl).
Der Genuss von 8,5 Mio. Hektoliter Bier muss zu Trunkenheit führen und das merkt man diesem Markt auch an. Wie kaum auf einem anderen Markt taumeln die Akteure von einer Fusion zur anderen. Die Zahl der selbständigen, kleineren Brauereien sinkt von Jahr zu Jahr.
Nüchtern betrachtet, bedeuten solche Fusionen für Einkäufer nichts Gutes. Wenn der Wettbewerb abnimmt, also die Zahl der Anbieter sinkt, folgen daraus tendenziell höhere Preise. Dramatisch ist das bereits auf den Rohstoffmärkten.
Würde man unsere Wirtschaftsordnung als eine Art „ Reinheitsgebot" sehen, wären solche Fusionen ein Verstoß gegen das Wettbewerbsgebot. Gute Braumeister würden von „Panschen" sprechen. Und wer es noch nicht verstanden hat: Fusionen sind in der Regel ein „minderwertiges Element" des Wirtschaftslebens.
Könnte sein, dass immerhin die Einkäufer von SAB Miller in feucht-fröhliche Stimmung kommen, weil sie jetzt ein bisschen mehr Hopfen und Malz (und etliches mehr, denn das deutsche Reinheitsgebot gilt hier ja nicht) ordern können. Die Einkäufer von Foster werden wahrscheinlich nicht mehr gebraucht – auch eine Kater verursachende Nebenwirkung von Fusionen.
Gegen einen ordentlichen Schluck ist nichts einzuwenden: Ich jedoch bevorzuge das Bier der Löwenbrauerei im schwäbischen Dorf Baisingen, unserem Wohnort. Eine selbständige kleine Familienbrauerei seit 1775, von denen es immer weniger gibt. Jährlicher Ausstoß: rund 30.000 Hektoliter, das sind 0,03 Mio. Hektoliter. Für einen SAB Miller ein winziger Tropfen.
