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Übrigens

Baustellen

Seit ich denken kann, ist die Neckartalbrücke eine Baustelle. Wer auf der Autobahn A 81 unterwegs ist, überquert dort in 127 m Höhe den Grund. Und das zur Zeit wieder recht gemächlich. Die Fahrbahnen sind seit Jahren verengt, das bedeutet Schilderwald, Stau, Stress...

Historisch gesehen ist das nichts Besonderes. Das Freiburger Münster ist gefühlt nur alle 50 Jahre eine Woche ohne Gerüst.

Das Problem: Es gibt leider mehr Autobahnbrücken als Münster. Genau genommen sind es 38.782 solcher Bauwerke an Bundesautobahnen und Bundesstraßen. Und überall wird gebaut oder muss dringend gebaut werden. Den 14 Prozent der Brücken befinden sich in einem kritischen oder ungenügenden Zustand, Experten sagen, es sei eine Frage der Zeit, bis eines der Bauwerke das Prädikat „einsturzgefährdet" erhalte.

Dabei ist es nicht der Zahn der Zeit, der an den Brücken nagt. Es gibt einen Hauptverursacher der Schäden und der heißt: Lkw. Drei Aspekte spielen hier eine Rolle – die Zahl, das Normalgewicht und das Schwergewicht. Was erstens die Zahl betrifft, so hat man in den 70er Jahren bei der Planung der Brücken durchaus mit Lastwagenverkehr gerechnet. Aber doch nicht in diesen Mengen. Ein neues Denken in der Logistik (Just-in Time ist gut für das Unternehmen aber schlecht für die Straße) und die Öffnung der Grenzen, haben zu einem deutlichen und überproportionalen Anschwellen des Lkw-Verkehrs im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern geführt.

Hinzu kommt, zweitens, dass die Lkw immer schwerer werden. Das zulässige Gesamtgewicht ist von 38 auf 44 t gestiegen, was schon viel ist, wenn sich die Spediteure daran halten. Tun sie aber in zahlreichen Fällen nicht. Vor diesem Hintergrund wirkt der Feldversuch für Gigaliner, der jetzt anrollt und der bis zu 60 t wiegen soll, wie ein Anschlag auf öffentliches Eigentum und die Verkehrssicherheit. Experten sagen, ein einziger Sattelzug mit zweimal zehn Tonnen Achslast habe die gleiche Zerstörungswirkung wie 160.000 Pkw.

Der dritte Aspekt sind Schwerlasttransporte, die nicht selten 100 t auf die Waage und auf die Fahrbahn bringen. Auch ihre Zahl wird von Jahr zu Jahr größer.

So hindern uns Lkw am Fortkommen, belästigen und mit dummen Sprüchen wie „Ohne uns hätten Sie heute morgen keinen Joghurt gehabt" und zerbröseln nun Straßen und Brücken.

Wenn Sie dann die Neckartalbrücke in Richtung Singen im Schrittempo passiert haben, geht es zügig weiter. Etwa 10 km. Dann kommt die Mühlbachtalbrücke...

11.10.2011


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