Du Europa
„Du Europa voller Leben Sollst nun Einheit sein…." Kennen Sie das? Nennt sich Hymne und ist eines der offiziellen Symbole der Europäischen Union. Nun, genau genommen ist es nur die Melodie als Instrumentalfassung des Hauptthemas „An die Freude" aus dem letzten Satz der neunten Symphonie Ludwig van Beethovens.
Dass Europa voller Leben ist, gerät dieser Tage etwas in den Hintergrund. Fakt, keine Lyrik, ist: Die Europäische Union ist (und bleibt, soviel vorweg) die stärkste Nation der Welt: wirtschaftlich, politisch, militärisch, kulturell.
Wirtschaftsgröße wird als BIP ausgedrückt, nicht der beste Indikator, aber der derzeit allgemein gültige. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU-27 wird dieses Jahr rund 12,7 Billionen Euro betragen, das wären zwei Billionen mehr als die USA. China? Vergessen Sie's. Die Staatsschuldenquote hierzulande (EU-27) beträgt 82,3 Prozent (in der Eurozone noch weniger), in den USA 98,3 Prozent. Was derzeit etwas wie Gerangel aussieht (Merkozy), ist der ernsthafte Versuch, die 82 zu senken. In USA gibt es dazu nicht den geringsten Ansatz. Die eigentliche Stärke ist jedoch der Binnenmarkt für 502 Mio. Menschen, der größte der Welt.
Für Einkäufer gilt hier: Dieser Binnenmarkt ist auch der beste der Welt. European Sourcing ist Local Sourcing. An Wettbewerbsfähigkeit ist dieser Markt nicht zu übertreffen, auch nicht was die Zahl qualifizierter Lieferanten angeht. Bulgarien, Polen oder Portugal sind zum Beispiel Regionen, die in Sachen Wettbewerbsfähigkeit weder von China noch von Indien zu schlagen sind. Aber demokratisch.
Politisch gesehen spricht Europa zu viele Sprachen. Vielleicht ein Manko. Vielleicht aber nicht. Gäbe es nur eine einzige politische europäische Stimme auf der Welt, würde das vielleicht zur Versuchung führen, die Welt zu dominieren. Hatten wir auch schon. Denn wenn sich die 27-EU-Nationen ausnahmsweise einig sind, sind sie eine Großmacht (wie sich jetzt gegenüber Iran abzeichnet). Vergessen Sie Russland.
Militärisch ist es inzwischen so, dass nicht einmal die USA alleine etwas ausrichten können. Es gibt keine europäische Armee, aber die europäischen Armeen handeln als solche.
Die allergrößte Vielfalt in Europa gibt es jedoch kulturell. 23 Amtssprachen hat nicht jede Nation. Und? Seit wann ist Vielsprachigkeit ein Fehler? Lastet man der Schweiz die Vielsprachigkeit an?
Seien wir stolz auf die 23 Sprachen und freuen wir uns, wenn es mehr werden. Serbisch oder albanisch zum Beispiel. Für diese beiden Völker und für viele andere ist die EU immer noch attraktiv. Sicher will man auch wirtschaftliche Vorteile genießen, doch in erster Linie zur europäischen Völkerfamilie hinzugehören.
Kulturelle und sprachliche Vielfalt drückt sich auch darin aus, das verstehen Sie bitte nur als ganz kleine Randkritzelei, dass es auch hunderte von Zeitungen und Magazinen mit ebenso vielen Meinungen gibt. Ganz kurz sei also darin erinnert, dass sich einige davon mit (Euro-) Katastrophe, Chaos und Krieg besser verkaufen als mit Friede, Freude, Eierkuchen. Bad News is Good News, ein Grundsatz der Medienbranche. Das stimmt uns alle ein wenig pessimistisch.
Zu unrecht. Europa ist groß, stark und schön. Lassen wir den Eierkuchen weg, dann sind wir wieder bei Frieden und Freude. Und bei der Hymne. „Du Europa voller Leben Sollst nun eine Einheit sein, Dann wirst du den Menschen geben Frieden, Glück und Sonnenschein." dz
