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Kapitalismus-Kahn

Der Kapitalismus gleicht einem in die Jahre gekommenen Kahn, der zur gründlichen Überholung dringend aufs Trockendock sollte.

Sie als Einkaufs- oder Logistikleiter brauchen dieses Schiff dringend. Daher hier kurz die wichtigsten Arbeiten, die wir im Dock vornehmen müssten.

Wettbewerb: Obwohl er das wichtigste Merkmal dieser Wirtschaftsordnung ist (im Gegensatz zur früheren „Planwirtschaft" ), nimmt er doch ab. Fusionen und Übernahmen, die fälschlicherweise als Beweis für die Seetüchtigkeit des Systems gelten, schwächen in Wirklichkeit den Wettbewerb. Das Ergebnis sind Branchen und Strukturen, in denen die Anbieter gegenüber dem Einkauf übermächtig sind.

To big to fail: Es gibt immer mehr Großunternehmen, die scheinbar „systemrelevant" sind. Das heißt, diese Unternehmen sind so groß, dass der gesamtwirtschaftliche Schaden im Falle ihrer Pleite zu groß erscheint. Also meint der Staat, er müsse sie retten. Doch schon vorher ist ihr politischer Einfluss, gegenüber kleineren Unternehmen, einfach zu groß.

Rendite und Produktivität: Nichts dagegen, dass wir uns alle ständig verbessern. Aber die heutigen Vorstellungen von Rendite und Produktivität sind irrwitzig. Sehen sie es mal so – wenn Ihr Lieferant eine Rendite von 25 Prozent erzielt, haben Sie sich über den Tisch ziehen lassen. Und dann rechnen Sie noch aus, was es bedeutet, wenn Ihr Unternehmen die Produktivität jährlich um beispielsweise sechs Prozent erhöhen will – für Produktionsmenge, Materialeinkauf, Personalbestand etc.

Zu viel Geld (Liqudität): Durch die Politik der Notenbanken, aber auch durch Gewinne und private Vorsorge ist zu viel Geld da. Dieses Geld will ganz dringend angelegt werden. Also sucht es Abnehmer, Kreditnehmer, entweder Staaten (die schon viel zu viel Geld aufgenommen haben) oder Unternehmen/Verbraucher, die mit Krediten eigentlich auch schon gut ausgestattet oder gar nicht kreditwürdig sind. Die Auslöser unserer Krise sind 1. die Überschuldung der Nationen, 2. die lockere Kreditvergabe an Verbraucher (vor allen in den USA).

Ressourcen: Wir verbrauchen zu viel Energie, zu viele Rohstoffe und zu viel Boden.

BWL vs. VWL: Es sieht aus wie ein natürlicher Gegensatz – dennoch sollten wir darauf achten, dass die Interessen von Unternehmen und Verbrauchern (Kleinunternehmen) einerseits, und die der Gesellschaft andererseits, einigermaßen ausgeglichen sind. Die Betriebswirtschaft (BWL) darf sich nicht darauf konzentrieren der Volkswirtschaft (VWL) zu schaden. So war es zum Beispiel für einen Betrieb sicher sehr kostengünstig, Abwässer ungeklärt in einen Fluss zu leiten. Das haben wir zum Glück hinter uns. Vor uns liegt zum Beispiel noch das große Feld der „Steueroptimierung" , die Unternehmen zum Schaden der meisten praktizieren.

Das waren die sechs größten Schäden, die dringend behoben werden müssten. Es gibt weitere sechs, die sich auch gefährlich ungünstig auf die Seetüchtigkeit auswirken. Das sind die Industrialisierung der Landwirtschaft, technische Überreife, der zu geringe Einfluss der Frauen, der zu große Einfluss der Finanzmärkte, Global Sourcing und die Entkoppelung von Verantwortung und Erfolg.

Unser Schiff braucht also nicht nur frische Farbe, sondern auch eine gründliche Funktionsprüfung. Vor allem aber mehr Platz. Damit möglichst viele auf guten Plätzen (Außenkabine) mitfahren können.

Daniel Zabota

20.01.2012


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