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Schnapsidee

Für jede Glasflasche, nicht nur für Schnapsflaschen, zehn Euro Pfand. Das Konzept für eine Schnapsidee.

Auch die Beschaffung von Schnapsflaschen hat bisweilen hohe Priorität. Da der Vertriebsleiter wichtigen Kunden, Einkäufer großer Unternehmen, am Ende deren Besuchs, eine Schnapsflasche, wobei es sich um eine ganz edle Marke Schwarzwälder Kirschwassers handelte, gibt's heute noch, zu überreichen pflegte, Compliance war damals noch kein Thema, wurde, wenn der Schnapsflaschenmeldebestand erreicht war, der Lehrling, also der Auszubildende für den Beruf des Industriekaufmanns, losgeschickt, um neue Schnapsflaschen zu besorgen – Maverick Buying nennt sich das heute und ist verboten, seinerzeit auch noch kein Thema.

Das war 1984.

Der Lehrling war ich.

Schöne Flaschen waren das. Ich meine die Glasflaschen mit dem Kirschschnaps drin.

Ich meine auch, dass man damals den Flaschen eine etwas größere Wertschätzung entgegenbrachte als heute.

Heute kann man keinen Schritt gehen, ohne dass man auf eine Flasche stößt. Meist zerbrochen. Scherben überall. Böschungen und Bahnhöfe sind übersät. Neulich hat irgendein kleiner, dummer, fauler Feigling einen ganzen Karton 0,02-Liter-Flaschen auf dem Bahnhofsparkplatz ausgekippt, wo mein Auto tagsüber steht.

Über die Ursachen dieser Entwicklung kann man nur spekulieren, sicher zählt auch falsch verstandene Liberalität gegenüber der Wirtschaft dazu, die eigentlich alles darf.

Spekulation hilft nicht. Helfen würde aber dieser Vorschlag: Für jede Flasche, ob groß oder klein, ob Schnaps, Bier, Milch oder Bioapfelsaft, muss der Handel ein Pfand von 10 € (in Worten: zehn Euro) verlangen.

Das hätte einen Nachteil. Der Bargeldeinsatz würde sich etwas erhöhen, vor allem, wenn man Mineralwasser kistenweise kauft.

Das hätte aber viele Vorteile. Flaschen würden die Umwelt nicht mehr belasten, die Kosten der Stadtreinigung würden sinken, die Recyclingquote würde gegen 100 Prozent gehen, die Wertschätzung für die Glasflasche, immerhin ein dann wieder wertvoller Rohstoff, würde steigen.

Die Leute, die auf Weihnachtsmärkten Glühwein verkaufen, machen das. So brauchen sie den Kunden, die sich volllaufen lassen, nicht nachzulaufen und haben danach keinen Scherbenhaufen.

Das Verhältnis von Pfand zum Warenwert wäre natürlich höchst unterschiedlich. Bei der 0,02-Liter-Likörflasche zu ca. 50 Cent wären 10 Euro im Verhältnis recht viel. Vielleicht würde es aber auch die gerne im Auto feiernde Jugend davon abhalten, den 30-Flaschen-Karton zu kaufen, für den dann immerhin zunächst 300 Euro hinzublättern wären.

Das edle Schwarzwälder Kirschwasser kostet rund 25 Euro in der 0,7-Liter-Flasche. Da fallen 10 Euro Pfand nicht so auf. Aber was soll's – das Pfand gibt's ja wieder zurück.

Große Schnapsflaschen eignen sich also gut für diese Schnapsidee.

LG, Daniel Zabota

18.04.2012


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