„Vertrauen der Kapital- und Kreditgeber wiedergewinnen"
01.06.2010 // InterviewHerr Prof. Fieten, die 5. European Procurement Excellence (EPE) fordert unter dem Titel „Cash Flow Up, Operational Costs Down, Financial Risks under Control" eine wesentlich intensivierte Zusammenarbeit zwischen Finanzchef und Einkaufschef. Warum diese Ausrichtung?
Fieten: Die heftige Finanz- und Konjunkturkrise, aus der wir allmählich herauskommen, hat eines deutlich gemacht: Wir müssen alles dafür tun, die finanzielle Stabilität unserer Unternehmen abzusichern und das Vertrauen der Kapital- und Kreditgeber in unsere Unternehmen wiederzugewinnen. Ohne Vertrauen wird es keinen nachhaltigen Aufschwung nach dem absehbaren Auslaufen der staatlichen Hilfen und Garantien geben. Hierzu bedarf es in den Unternehmen eines professionellen Liquiditätsmanagements, eines Abbaus der Schulden und insbesondere solider Bilanzen. Dies kann jedoch nur dann gelingen, wenn es zu einer wesentlich intensivierten partnerschaftlichen Zusammenarbeit der CFOs mit den operativen Bereichen – insbesondere mit dem Einkauf und dem Supply Management – kommt. Hierfür treten wir bei der 5. EPE ein.
Welche thematischen Schwerpunkte stehen in diesem Jahr auf der EPE-Agenda?
Fieten: Der Dreiklang im Titel der EPE nennt die drei Imperative, die wir anhand einer Fülle von Best Practice-Beispielen behandeln werden. Nach modernen betriebswirtschaftlichem Verständnis sind der CFO und der CPO kongeniale Partner im Sinne einer Vernunftpartnerschaft bei der Senkung der Produktkosten, der Verbesserung des Working Capital Managements und dem Management der Risiken auf der Supply-Seite. Freilich müssen CFOs und CPOs dazu ihre Rollen in vielen Unternehmen noch erst neu definieren und finden. Dies ist nicht einfach. Aber: Die Rezession erweist sich im Hinblick hierauf als „Window of Opportunity". Wer jetzt die Weichen richtig stellt, wird gestärkt aus der Krise hervorgehen und ist immun gegen weitere „Stürme".
Auf welche Redner können sich die Teilnehmer besonders freuen?
Fieten: Die Teilnehmer können sich insbesondere auf das internationale Panel aller Redner, die wir gewinnen konnten, freuen. Wo gibt es ein vergleichbares internationales Programm? Es gibt Stimmen, die fordern, CPOs müssten zu Procurement Leaders mutieren und dann sei alles für den Aufschwung getan. Wir sagen: Richtig, aber nicht genug. Leader müssen insbesondere die zielführenden, jetzt drängenden Themen entschlossen anpacken. Dies fordern und demonstrieren unsere Key Note Speaker wie Thomas A. McMillen, Adam Opel GmbH; Peter Rasper, SAP AG; Frank De Reij, Air France-KLM und Lawrence A. Rosen, Deutsche Post AG; und auch die anderen Sprecher.
Nach dem Krisenjahr 2009: Was sind die wichtigsten konjunkturspezifischen Trends in 2010?
Fieten: Kernfrage ist, wann wir einen nachhaltigen Aufschwung erreichen oder ob nicht zuletzt wegen der gravierenden Verschuldung der Staaten und der Fragilität des Finanzsystems noch ein Einbruch folgt. Die CFOs und CPOs müssen ihr Ohr daher ganz eng am Markt haben und sich insbesondere mit dem Thema Risikomanagement in 2010 befassen. Hinzu kommen vermutlich steigende Vormaterialkosten im Rohstoffbereich und auch temporäre Engpässe und Verlängerungen der Lieferzeiten plus Währungsschwankungen. Chancen und Risiken liegen 2010 für den Einkauf somit eng beieinander.
Hat sich der Stellenwert des Einkaufs nach der Finanzkrise unternehmensintern noch einmal erhöht?
Fieten: Die Unternehmensleitungen, CEOs und CFOs, haben den Einkauf viel stärker im Blick und geben hohe Kosten- und Bestandssenkungsziele vor. Der Stellenwert der Einkaufsthemen hat sich in den produzierenden Unternehmen ohne Zweifel erhöht. Neue Vorstandsressorts für CPOs sind in einer Zeit, in der Unternehmen Organisationsstrukturen verschlanken, nach meinen Beobachtungen nicht flächendeckend entstanden. In der aktuellen Konjunkturphase stehen aber die Chancen gut, zu demonstrieren, über welches Potenzial die Beschaffung verfügt. Der Einkauf sollte sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Gerade deswegen führen wir die EPE mit der spezifischen, von uns bewusst gewählten Ausrichtung durch.

