Wirtschaft verlässt Wachstumspfad
Die deutsche Wirtschaft verabschiedet sich vom Aufschwung: Nach fünf Monaten stetig nachlassender Dynamik ist die Industrie im Oktober erstmals seit zwei Jahren wieder leicht geschrumpft. Das zeigt der saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der gegenüber September um 1,2 auf 49,1 Zähler sank und damit unter die psychologisch wichtige Referenzlinie von 50 Punkten rutschte. Werte oberhalb dieser Schwelle signalisieren Wachstum, Werte darunter stehen für einen Abschwung. Tiefer hatte der wichtige Konjunktur-Frühindikator zuletzt im Juli 2009 notiert.
„Zurzeit ist viel Psychologie im Markt. Die meisten Unternehmen sind angesichts widersprüchlicher Konjunkturperspektiven verunsichert. Sie reagieren darauf, indem sie Lager abbauen und geplante Investitionsentscheidungen auf Eis legen", betonte Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), in Frankfurt.
Der Teilindex Auftragseingang fiel zum vierten Mal in Folge unter die 50-Punkte-Marke. Nach immer höheren Verlusten in den vergangenen drei Monaten stand im Oktober mit 45,1 Punkten (September: 46,4 Punkte) sogar der stärkste Rückgang seit Juni 2009 zu Buche. Die Exportbestellungen von Industrieerzeugnissen Made in Germany gingen so deutlich zurück wie seit knapp zweieinhalb Jahren nicht mehr. Ausbleibende Neuaufträge und zunehmende Überkapazitäten ließen den Auftragsbestand in der deutschen Industrie im Oktober sinken.
Niedrige Auslastung und rückläufiger Auftragseingang veranlassten die Branchenakteure, die Einkaufsmenge im Oktober den vierten Monat in Folge deutlich zu begrenzen. Infolge der weltweit nachlassenden Nachfrage nach Rohstoffen und Vormaterialien verkürzten sich die durchschnittlichen Lieferzeiten im Oktober erneut – namentlich für Stahl, Chemikalien und Kunststoffe. Die Bestände an Vormaterialien nahmen zum zweiten Mal hintereinander und so zügig ab wie zuletzt im Februar 2010. Angesichts geringerer Nachfrage verfolgten die Lagerabbauprogramme in erster Linie den Zweck, die Liquidität der Firmen aufrechtzuerhalten. cm
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