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Die Fähigkeit, den Anforderungs- und Belastungsmarathon durchzuhalten, wird zu einer zentralen Voraussetzung effizienter Führungsarbeit.
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Karriereleiter – Stress – Burnout

Auf den Kräftehaushalt achten

Sprosse um Sprosse auf der Karriereleiter nehmen die beruflichen Druckverhältnisse zu. Anforderungs- und Leistungsdruck, Kosten- und Wettbewerbsdruck, Zeit- und – nicht zu vergessen – auch immer mehr zwischenmenschlicher Rivalitätsdruck wollen gemeistert werden. Dem standzuhalten, verlangt ein beachtliches Stehvermögen, das immense psycho-mentale Kräfte verschlingt. Kräfte, die tagtäglich aufs Neue zur Verfügung stehen müssen.

Und das unter Arbeitsbedingungen, die in Führungspositionen nahezu keine entlastenden Routineabläufe mehr bieten. Verkürzten sich bis vor noch gar nicht so weit zurückliegender Zeit im Wesentlichen die Zeitspannen, in denen Veränderungen „gemanagt" werden mussten, steht heute die Bewältigung fortlaufender Veränderungen im Mittelpunkt des Führungshandelns. Das führt Denken wie Handeln ständig an neue Grenzen. Die Druck-, Schub- und nicht zu vergessen auch die Fliehkräfte dieser nahezu permanenten innerbetrieblichen Umwälzung fordern ausgeprägte Persönlichkeitsmerkmale.

Wer da nun denkt, es wäre schon genug des Guten, Eigenschaften wie Aufgeschlossenheit und Ambiguitätstoleranz, Verhaltensflexibilität und Frustrationstoleranz, Mut und Risikobereitschaft, Kreativität und das Gespür für Entwicklungen, Kundenansprüche und vor allem auch für den Zeitgeist aufzubringen, denkt zu kurz. Die eigentliche Kraftanstrengung besteht vielmehr darin, dieses gewaltige Eigenschaftsbündel auch am Leben zu erhalten, den inneren Antriebsmotor nicht erlahmen zu lassen. Damit wird die Fähigkeit, diesen Anforderungs- und Belastungsmarathon durchzuhalten, zu einer zentralen Voraussetzung effizienter Führungsarbeit. Wesentliche Aufgabe beruflicher Selbstbehauptung muss es deshalb sein, den eigenen Kräftehaushalt sorgfältig im Auge zu behalten, sich nicht laufend zu überfordern und überfordern zu lassen und so an sich Raubbau zu treiben. Und sich bewusst zu werden, dass zum Ausgleich dieser hohen psycho-mentalen Druckverhältnissen mehr gefragt ist als die gewohnten Weiterbildungsmaßnahmen. Um von den beruflichen Aufgaben nicht peu à peu zerrieben zu werden, braucht es Maßnahmen, die Regeneration und (nicht nur) diesbezügliches Lernen in direktem, unmittelbarem Personenbezug ermöglichen.

Das rückt das Thema „Coaching" ins Blickfeld. Die Zusammenarbeit mit einem Coach kann viel dazu beitragen, nicht in eine gefährliche leistungsbeeinträchtigende gesundheitliche Schieflage abzurutschen, sicherzustellen, dass die persönliche Selbstorganisation mit den Anforderungen Schritt halten kann und die geistige wie seelische Spannkraft auf hohem Niveau erhalten bleibt. Zwangsläufigen geistig-seelischen Ermüdungs- und Erschöpfungserscheinungen mithin nicht Gelegenheit zu geben, sich einzunisten und sich immer blockierender auszuwirken.

Natürlich ist es durchaus auch möglich, persönliche Regeneration und innere Stabilität, persönliches Wachstum und Lernen auf allen Persönlichkeitsebenen auch mit Selbsthilfemaßnahmen nachzukommen. Reflexion beispielsweise ist von alters her eine Verhaltensweise oder Lebensgepflogenheit, die das ermöglicht. In der Ruhe eines Spazierganges, einer stillen Stunde am Kamin oder einem Wochenende in der Abgeschiedenheit eines Klosters können Geist und Seele in des Wortes ursprünglichstem Sinne abspannen und zu neuen Kräften kommen. Und nicht nur das, lassen sich Problemlagen klären, neue Wege ersinnen, Entscheidungen fällen, lässt sich neuer Mut schöpfen.

Auch das Gespräch mit Menschen, die sich als aufrichtige Freunde gezeigt und erwiesen haben, kann eine ungeheuer regenerierende Kraftquelle sein. Und im Nebeneffekt persönliches Lernen auf allen Ebenen ermöglichen. In der rivalitätsfreien Atmosphäre einer bewährten Freundschaft können in vorbehaltlosen Gesprächen die im Alltäglichen des Berufs (über)strapazierten Nerven wieder beruhigt und Kräfte wieder aufgebaut werden. Und Fragen und Probleme, die damit im Zusammenhang stehen, aus unterschiedlicher Perspektiven geprüft, Überzeugungen hinterfragt und/oder neu gebildet, der Rücken gestärkt und entsprechende Entscheidungen gefunden und fundiert werden.

Das Problem ist bedauerlicherweise nur: Freundinnen oder Freunde dieser Qualität sind ein rares Gut. Die Chance, für einen offenen, nicht taktierenden, von zwischenmenschlichen Wettbewerbskalkülen freien Austausch von Gedanken, Gefühlen, Werten und Zielen ist deshalb nicht übermäßig groß. Und auch die Partnerin oder der Partner kann erfahrungsgemäß diese Lücke nicht immer zuverlässig füllen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie oder er zu nah am Geschehen ist. Womit Regeneration der Kräfte über diese Schiene nur selten wirklich möglich ist.

Das gilt es zu erkennen. Und dem gilt es vorzubeugen. Das ist die Situation, in der ein Coach in Betracht gezogen werden sollte. Treffen in so einer Situation mit Führungskraft und Coach zwei gleichwertige Partner aufeinander, denen es gelingt, eine symmetrische Beziehung aufzubauen, lassen sich im gegenseitigen Vertrauen stabile Gegengewichte gegen die berufsbedingt zwangsläufig-unvermeidbare Kräfteerosion setzen. In solch einer geglückten Beziehung ist der Coach beides: verschwiegener Gesprächs- und belebender Sparringspartner.

Sie oder er nimmt nicht nur Inhalte wahr, sondern auch mitschwingende Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse, Appelle, Werte. Eine solche zwischenmenschliche Konstellation lässt die notwendige Nähe und Offenheit zu, ohne die Distanz aufzugeben. In einer solchen Beziehung ist der Coach ein sozialer Spiegel, der angstfrei seine Reaktionen auf Verhalten und Überlegungen des Gesprächspartners mitteilt. Ein Gegenüber, das, wenn nötig, in verschiedene Rollen schlüpft und wie eine vertraute Freundin oder ein bewährter Freund auch kritische Rückmeldung gibt und so hilft, den auslaugenden beruflichen Anforderungen in einer sich rasant ändernden wirtschaftlich-gesellschaftlichen Umwelt nicht zum Opfer zu fallen.

Und wer bei dem Wort „Opfer" zusammenzuckt und den Gedanken, zum Opfer werden zu können weit von sich weist, sollte sich rasch bewusst machen, dass sie oder er damit die harte Realität von Burnout ausgeblendet. Und die nicht minder harte Realität des wachsenden Gebrauchs von meist sogar gleichzeitig Aufputsch- und Beruhigungsmitteln. Und ebenso die des von Versagensängsten getriebenen zunehmenden Griffs zu das Gehirn stimulierenden Medikamenten. Und damit die Notwendigkeit, immer wieder ein an menschlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten ausgerichtetes Gleichgewicht herzustellen zwischen dem, was ich muss und dem, was ich (noch) kann und dem, was ich morgen (wieder) können muss.

Lesetipp:

· Ansgar Gerstner: Das Tao im Management – Fernöstliche Weisheiten für das Geschäftsleben. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2010

Hartmut Volk

01.04.2011


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