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Mühsam wie bei Aschenputtel ist die Suche nach guten Einkäufern (Bild: Elmar Diegmann)
Wie schrieben die Grimms: Gute Einkäufer ins Töpfchen, schlechte ins Kröpfchen. Nun ist es allerdings so, dass die Töpfchen fast leer bleiben: Eine Studie bringt jetzt an den Tag, dass gute Einkäufer fehlen. Und die wenigen, die da sind, werden nicht qualifiziert und wohl auch nicht nach ihrer Leistung für das Unternehmen bezahlt. Oder waren es Linsen?
Mühsam wie bei Aschenputtel ist die Suche nach guten Einkäufern (Bild: Elmar Diegmann)
Unternehmen finden keine ausreichend qualifizierten Einkaufstalente

Das Töpfchen bleibt fast leer

„Verfügen Sie über eine adäquate Anzahl an Talenten zur Besetzung von Positionen in den nächsten 1 bis 3 Jahren?
„Verfügen Sie über eine adäquate Anzahl an Talenten zur Besetzung von Positionen in den nächsten 1 bis 3 Jahren?"

In den Einkaufsabteilungen fehlen gute Leute: 68 Prozent der Unternehmen verfügen über keine oder zu wenige Talente. Dies hat die von der Personalberatung Penning Consulting in Kooperation mit Kerkhoff Consulting erstellte Studie „Personalbarometer Einkauf 2010" ergeben. Befragt wurden dafür über 500 Einkaufs- und Personalleiter mittelständischer Unternehmen.

Ganz speziell im Einkauf sei es demnach schwer, freie Stellen zu besetzen. Besonders die geringe Qualifikation der Bewerber stellt nach eigener Aussage 67 Prozent der befragten Unternehmen vor Probleme. Stephan Penning, Geschäftsführer der Personalberatung Penning Consulting, die einen Schwerpunkt auf die Auswahl und Qualifizierung von Einkäufern legt, sagt: „In der Studie werden deutliche Lernfelder in zentralen Fachkompetenzen des Einkaufs deutlich: So werden beispielsweise die Bereiche Beschaffungscontrolling, Global Sourcing oder Verhandlungsführung zu häufig rein intuitiv oder erfahrungsgeleitet umgesetzt. Dies bestätigen auch die Auswertungen unseres Benchmarks von Potenzialanalysen mit über 150 Einkäufern."

Dass es in der Praxis wirklich so ist, bestätigt Gerd Kerkhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der Einkaufsberatung Kerkhoff Consulting: „Die Studienergebnisse untermauern, was wir in unserer alltäglichen Arbeit beim Kunden vor Ort sehen." Den Einkaufsabteilungen fehlten häufig Akademiker, um die Anforderungen an ein heute sehr komplexes Einkaufsmanagement erfüllen zu können.

Hoher Suchaufwand

Da es in ihren Reihen oft an qualifizierten Fachkräften fehlt, rekrutieren viele Unternehmen von außen. Hier zeigt die Studie, dass die Rekrutierungspraxis in mittelständischen Einkaufsabteilungen sich aktuell eher eindimensional darstellt: Die meisten Unternehmen ziehen Stellenanzeigen auf der eigenen Unternehmenswebseite oder in Online-Jobbörsen zur Bewerbersuche heran – „innovative" Methoden, wie das soziale Netzwerk Xing oder andere Maßnahmen des Web 2.0, würden jedoch kaum genutzt.

Einkaufsmitarbeiter für das eigene Unternehmen zu gewinnen, ist aufwändig. In jedem zweiten Unternehmen dauert die Suche nach einem geeigneten Einkäufer zwischen vier und sechs Monate, oft sogar noch länger. Zudem haben 71 Prozent der in der Studie Befragten angegeben, dass Stellen im Einkauf aufgrund von zu hoher Diskrepanz zwischen Wunsch- und Zielgehalt nicht besetzt werden. „Hier werden die Personaler umdenken müssen", sagt Penning. „Einkäufer leisten einen enormen Wertbeitrag für ein Unternehmen und bedürfen heute einer umfassenden Ausbildung. Darum muss auch ihr Gehaltsniveau klar steigen und sich anderen Unternehmensbereichen anpassen."

Die Studie „Personalbarometer Einkauf 2010" hat Unternehmen zudem in die Kategorien „erfolgreiche", „durchschnittlich erfolgreiche" und „weniger erfolgreiche" eingeteilt, basierend auf aktuellen Unternehmenskennzahlen wie Umsatz und Gewinn sowie qualitativen Zusatzkriterien. Die Studie zeigt: Erfolgreiche Unternehmen identifizieren Talente auf Basis klarer Kriterien, fördern sie zum Beispiel gezielt durch persönliche Mitarbeitergespräche und setzen sie gemäß ihrer Fähigkeiten individuell ein. Mit diesem gezielten Talent Management stellt das Unternehmen sicher, dass die entscheidenden Positionen mit den richtigen qualifizierten Mitarbeitern besetzt sind. Aus den Ergebnissen der Studie ergibt sich zudem, dass es besonders bei den Unternehmen, die beklagen, keine oder zu wenige Talente in den Einkaufsabteilungen zu haben, kein einheitliches Verständnis davon gibt, was ein Talent im Einkauf eigentlich auszeichnet. „ Erfolgreiche Unternehmen kennen die Kompetenzen und Potenziale ihrer Mitarbeiter im Einkauf, die zukünftig für strategische Herausforderungen erfolgskritisch sind, und qualifizieren ihre Mitarbeiter zielgerichtet", sagt Penning. „Entscheidend ist, durch ein differenziertes Personalentwicklungskonzept den Output der Einkaufsabteilung und damit das Geschäftsergebnis positiv zu beeinflussen".

Bei der Bewertung von relevanten Anforderungen an den strategischen Einkauf zeigt sich das gleiche Bild: Auch hier sind erfolgreiche Unternehmen einen Schritt voraus und zeigen ein deutlich höheres Bewusstsein für zentrale erfolgsentscheidende Herausforderungen wie Lieferantenmanagement oder Global Sourcing als weniger erfolgreiche.

Neben der Problematik, Talente zu finden und an das eigene Unternehmen zu binden, gilt es also, die vorhandenen Mitarbeiter umfassend in neuen Themenstellungen zu schulen. Auch hier investieren Unternehmen bis heute viel zu wenig: Mit 2,7 durchschnittlichen Weiterbildungstagen fallen Einkäufer erneut weit hinter andere Abteilungen zurück. Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) hat ermittelt, dass im Jahr 2009 Mitarbeiter aller Unternehmensbereiche durchschnittlich fünf Tage für Weiterbildung aufwenden durften.

„Das Management hat – vor allem über die Krisenmonate – erkannt, welchen überragenden Beitrag der Einkauf zum Unternehmenserfolg leistet", sagt Kerkhoff. „Unser Geschäft als Einkaufsberater hat im Jahr 2009 einen Zuwachs von über 20 Prozent erfahren – auch deshalb, weil es Unternehmen an eigenen Talenten fehlte, um rasch Kostensenkungsmaßnahmen einführen zu können. Doch um die gemeinsam mit uns erzielten Ergebnisse langfristig abzusichern, müssen Unternehmen jetzt in ihre Einkaufsmannschaft umfassend investieren."

So genanntes „Talent Management" sei ohne Zweifel eine zentrale Basis für Wettbewerbsvorteile, ergänzt Stephan Penning. Unternehmen, die Talente gezielt entdecken, rekrutieren, fördern und binden, würden einen großen Wert für das gesamte Geschäft schaffen. Das Wissen um das Potenzial der Mitarbeiter, ihre effektive Schulung sowie der nachhaltige Einsatz dieser Talente unterscheide eine gute von einer weniger guten Einkaufsabteilung. dz

Die Studie ist Grundlage für das Buch „Der strategische Faktor Personal im Einkauf" von Gerd Kerkhoff und Stephan Penning. Das 250-seitige Buch erscheint im September 2010 im Wiley Verlag

01.09.2010


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