Login
Discounter-Kleidung

Keine Verbesserung bei Lieferanten

Eine Studie zeigt die Defizite des Lieferantenmanagements deutscher Discounter auf. Dabei hatten diese versprochen die Bedingungen für ihre Zulieferer zu verbessern.

Die Textilfabrik in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, zeigt sich von einer vollkommen anderen Seite, sobald Kontrollen beginnen. Wie Spiegel Online berichtet, werden sonst vernachlässigte Tätigkeiten, wie gründliche Reinigungen und das Lüften von Produktionshallen pünktlich zu Kontrollen durchgeführt.

Laut einer Studie der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) arbeiten Näherinnen bis zu 16 Stunden am Tag in verdreckten, stickigen Fabriken, um günstige Kleidung für deutsche Discounter zu produzieren. Die Arbeiterinnen erhalten einen Lohn, der kaum zum Überleben reicht, sie werden ausgebeutet und teilweise misshandelt.

Den Näherinnen wurde häufig mit Arbeitsplatzverlust und Misshandlung gedroht, falls sie Informationen über die Arbeitsbedingungen in den Fabriken preisgeben würden. In einer bangladesischen Zuliefererfabrik von Aldi musste die Untersuchung daher zum Schutz der ArbeiterInnen sogar abgebrochen werden.

Dabei wollten Lidl und Kik eigentlich mit Trainings und Kontrollen, sogenannten Sozialaudits, gegen die Missstände bei ihren Lieferanten vorgehen. Ziel der Schulungen, die beide Unternehmen seit 2008 durchführen, sei der „Austausch zwischen Arbeitnehmern und Management der Hersteller". Doch 85 Prozent der Befragten aus Fabriken, in denen diese Schulungen stattfinden, kannten diese gar nicht. Und Näherinnen, die daran teilnahmen, konnten inhaltlich hierzu nur wenige Angaben machen. Zudem habe Aldi bisher keinerlei Anstrengungen zur Verbesserung der Lieferantenbedingungen unternommen.

Die Discounter müssen sich vorwerfen lassen,, dass sie ihre Ansprüche nach Einhaltung von sozialen Standards nicht stärker durchsetzen. Unangemeldete Kontrollen in den Fabriken oder die Stärkung der Gewerkschaften wären z.B. Möglichkeiten hierfür.

In früheren Studien kritisierte CCC bereits die von Lidl betriebene Preis-Politik. Diese übe gewaltigen Druck auf die Zulieferer aus und zwinge sie dazu, ihre Preise zu senken. Dieser Druck werde an weitere Zulieferer und an die Arbeiter in den Zulieferbetrieben weitergegeben. CCC-Deutschland hat bereits im Januar 2008 einen Untersuchungsbericht über Arbeitsrechtsverletzungen in Zulieferbetrieben von Lidl in Bangladesch veröffentlicht. Auch bei Kik wurden massiven Arbeitsrechtsverletzungen bei Lieferanten angeprangert. Bei Aldi sei die eigene Verantwortung hierfür in Zulieferfabriken diffus. (Bild: www.weeyoo.de) cm

12.01.2012


Weitere Artikel zum Thema

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe